Fridi Nefe im Interview mit Albert Niemann

DIE WOHN-REGISSEURIN und Event-Stylistin

Ein Gespräch mit Fridi Nefe über Geschmack, Inspiration und die Wohnung als Bühne.

Bis vor wenigen Jahren war Interior-Beratung im Vergleich zu den USA oder England hierzulande eher ein Stiefkind. Warum hat sich dies nun endlich auch in unseren Gefilden in eine positive Richtung entwickelt?

Ich glaube, das hat sehr viel mit dem unheimlich stark wachsenden Angebot zu tun. Denken Sie an die unzähligen Magazine und vor allem das Angebot im Internet, an all die neuen Kollektionen, die jedes Jahr auf den Messen präsentiert werden. Wer soll da, außer unserer Zunft, noch den Überblick behalten? Damit einher geht die Tatsache, dass die Menschen auch immer weniger Zeit haben, sich in dieser Vielfalt zu orientieren. Deshalb benötigen sie verstärkt Profis wie mich. Ich versuche, für meinen Kunden die richtigen Stücke herauszufiltern. Das hat sehr viel mit Recherche zu tun.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit am besten?

Es ist großartig, sich den ganzen Tag mit schönen Dingen beschäftigen zu dürfen. Ein Traumjob. Von der Auswahl des Toilettenpapiers bis hin zu den Möbeln und Tapeten. 

Wie frei sind Sie in Ihrem Job? Oder anders formuliert: Wie stilsicher sind Ihre Kunden?

Nun, das Schönste ist natürlich, wenn ein Auftraggeber sagt, "Tun Sie, was Sie wollen, Sie dürfen alles individuell gestalten, Sie haben völlig freie Hand."

Bekommt man in einem solchen Fall nicht das Gefühl, der Kunde hegt gegenüber seinem Wohnraum keine besondere Wertschätzung?

Nein, dann würde er mich ja nicht beauftragen. Und gerade solche Kunden erleben nach Abschluss eines Projektes oft ein "Aha-Erlebnis". Viele glauben im Vorhinein gar nicht, dass durch Interior-Design etwas wirklich Tolles passieren kann.

Was ist denn das schönste Feedback, das Sie nach Beendigung einer Zusammenarbeit bekommen können?

Das lautet folgendermaßen: "Ich würde unheimlich gerne wieder mit Ihnen arbeiten." Das passiert auch.

Sie sagten einmal, eine schöne Wohnumgebung gleiche einem gelungenen Fest. Wie meinen Sie das?

Es geht um ein "In-Szene-setzen", egal, ob es sich um eine Immobilie handelt oder eine Festivität. Die Sache lässt sich mit einer Bühne vergleichen. Die Wohnung wird zu einem Bühnenbild.

Und ihr Bewohner wird zu Publikum und Akteur in einem.

So ist es.

In Sachen wohnen geht es sehr viel um Geschmacksfragen: Es heißt, über Geschmack könne man nicht streiten. Was ist guter Geschmack?

Das ist eine heikle Frage. Man muss auf den Geschmack eines Auftraggebers eingehen. Wenn jemand etwas schön findet, dann gibt es dagegen prinzipiell natürlich nichts einzuwenden. Darauf aufbauend ist es jedoch je nach Situation ratsam, zu sagen, "die Lösung wäre noch schöner, wenn…" Es geht um ein Hinführen zu neuen Lösungen. Da darf man ruhig mutig sein und die Pole aufzeigen.

Wie sehr müssen Sie selbst mit einem Projekt happy sein? Wie stark muss es Ihrem persönlichen Geschmack entsprechen?

Lassen Sie es mich so sagen: Jede Wohnung, die ich bis dato eingerichtet habe, ist so gestaltet, dass ich selbst gern darin wohnen würde. Das heißt jedoch nicht, dass ich mich genau so einrichten würde.

Wovon lassen Sie sich inspirieren?

Das kann sehr viel sein: Ein gutes Gespräch übers Wohnen, ein Spaziergang, das Nachdenken auf meinem Sofa, natürlich das Internet, Instagram, Pinterest usw. Man könnte von einer Art virtuellen Museumsbesuchen sprechen. Ich pflücke mir meine Inspirationen zu einem neuen Bild zusammen.

Welche sind die größten Fehler, die Menschen beim Einrichten ihrer Wohnung machen?

Dass sie zu kurzfristig denken und zu wenig überlegen, wie Einrichtung zusammenpasst. Wohnen ist schließlich ein großes Ganzes. Ich möchte Langzeitlösungen anbieten. Das benötigt Zeit und viel Recherche. Und natürlich Musenküsse. Aber davon gibt es gottseidank genug.

Wann passt denn in einer Wohnung alles zusammen?

Die Stimmigkeit in einer Wohnung hängt von verschiedenen Faktoren ab. Man sieht und spürt, ob etwas nach einem Konzept eingerichtet wurde. Das bezieht sich auf Formen ebenso wie auf Farben und Oberflächen. Das heißt aber nicht, dass jeder Raum gleich aussehen muss. Es ist einfach erkennbar, ob sich jemand mit dem Wohnen auseinandersetzt und ihm dies auch wichtig ist.

Macht es Sinn von einer Raumhierarchie zu sprechen? Anders formuliert: Ist es schwieriger eine Küche als ein Schlafzimmer einzurichten?

Nein, ich denke jeder Raum ist eine sensible Angelegenheit. Zumindest bewerte ich alle Räume als gleich bedeutend. Jedes Zimmer muss etwas Besonderes haben.

Wie reagieren Sie auf Trends? Oft erscheint es gar nicht so einfach, die richtigen Trends herauszuhören.

Ich halte nicht viel von solchen Bewegungen. Natürlich schau ich mir die Dinge an, die herauskommen, das versteht sich von selbst, aber ich finde es nicht richtig, sich Trends zu unterwerfen. Dafür sind sie in der Regel zu kurzfristig. Man kann sich schließlich nicht jedes Jahr ein neues Sofa kaufen. Es gilt, seinen eigenen Stil zu finden. Und dabei helfe ich. Was natürlich nicht heißt, dass der eine oder andere Trend nicht auch inspirierend sein kann.

Können Sie sich an Ihr erstes Zimmer erinnern?

Aber sicher. Ich habe mit sechs Jahren mein erstes, eigenes Zimmer bekommen. Darin standen ein Bett an der Wand und in der Mitte ein grauer Ohrensessel samt Hocker. Die Möbel hat mein Vater in seiner Jugend selbst mit einem Tischler gemeinsam gebaut. Ich sehe alles noch genau vor mir. Es gab in dem Zimmer auch einen Schafwollteppich und eine Kommode aus Teakholz. Ich war begeistert und hab permanent umdekoriert. Schon damals empfand ich eine große Leidenschaft fürs Wohnen.

Wie würden Sie denn ‚Wohnen‘ jenseits von Schlafen, Kochen etc. definieren?

Wohnen ist eine Art guter Begleiter. Wohnen bedeutet Wohlfühlen, behütet sein in meinem, von mir gestalteten Refugium. Es geht um Geborgenheit und Erinnerungen, die man mit Dingen in seinem Umfeld in Verbindung bringt.

Zum Beispiel?

Meine Garderobe, die ich auf einer Antiquitätenmesse in Bad Aussee gekauft habe.

Ihr Traumhaus?

Gibt es nicht. Oder lassen Sie es mich so sagen: Es gibt so viel Schönes, dass es jeden Tag ein anderes wäre.

Haben Sie ein Lieblingsmöbel?

Das habe ich in der Tat. Es ist mein rotes Sofa von Poltrona Frau. Von dem würde ich mich niemals trennen. Es begleitet mich schon sehr lange und ich habe seinerzeit eine Ewigkeit genau nach diesem Möbel gesucht. Außerdem war es ein Geschenk meines Vaters.

Wie wird sich das Wohnen Ihrer Meinung nach in Zukunft entwickeln?

Ich denke, es geht immer mehr darum, Wohnraum besser zu nutzen. Die Wohnungen werden kleiner werden. Möbel werden funktionaler und es wird vermehrt maßgeschneiderte Lösungen geben. Das ist eine große Herausforderung für die Designer. Und natürlich auch für uns Interior-Berater.